5
Mai
2013

China ist, was es i(s)t!

In China essen sie Hunde …in Vietnam und Korea auch.

Die chinesische Küche ist eine der vielfältigsten und traditionsreichsten der Welt. Dass hier Hund und Katze auf dem täglichen Speiseplan stehen, ist nur eines von vielen Gerüchten, das sich hartnäckig hält. So fürchten viele Chinareisende aus dem Westen, ganz nach dem Sprichwort, in China essen sie alles was vier Beine hat und mit dem Rücken zum Himmel zeigt, statt Schweinefleisch, unwissentlich Hund serviert zu bekommen. Obwohl bereits gesetzlich verboten, gilt Hunde- und Katzenfleisch vor allem im Süden des Landes, in den Provinzen Sichuan, Guangdong und Guangxi noch immer als Spezialität. Aber auch im Norden Chinas, in der Provinz Heilongjiang an der russischen Grenze, ist man auf den Hund gekommen. Hundefleisch soll von innen wärmen und in Heilongjiang sind die Winter bekanntlich lang und eisig. Ist es also besser für den Zeitraum des Chinaaufenthalts zum Vegetarier zu werden? Nur ausgewählte Restaurants bieten Hunde- und Katzenfleisch zu hohen Preisen an. Der klassische Chinareisende braucht also keine Angst zu haben, versehentlich einen bepelzten Vierbeiner zu verspeisen. Im Westen vergisst man oft, auf Chinas Nachbarländer zu schauen, denn auch in Vietnam, Korea und anderen asiatischen Ländern bildet Hundefleisch einen traditionellen Bestandteil der Nahrungskette, der sich nicht selten aus dem religiösen Kontext ergibt. Wo man Schwein und Rind aus religiöser Überzeugung nicht essen darf, greift man eben gelegentlich zum Hund. Die Speisekarte der normalen Restaurants ist davon jedoch nicht betroffen. Die meisten Chinesen haben Hund und Katze ohnehin schon als Haustiere entdeckt und nicht für den Kochtopf.


Die Vielfalt der Regionalküchen

China hat weitaus mehr als Hund und Katze zu bieten. Das zeigt ein Blick auf die Regionalküchen des Landes. Alle Provinzen warten mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten auf, die man auch in der chinesischen Hauptstadt bekommen kann. Besonders vertreten sind die Sichuan- und Guangdong (Kanton)- Küche mit ihren an Schärfe kaum zu überbietenden Gerichten, aber auch die verschiedensten Spielformen des chinesischen Feuertopfs, der nicht nur im Winter genossen wird. Und natürlich die Pekinger Küche selbst.

Es gibt nichts, was nicht in den Feuertopf kommt. Besonders wohlschmeckend ist das hauchdünn geschnittene Fleisch von Rind, Huhn und Lamm. Foto: Fen Fang


Die Küche der Hauptstadt

Die Pekinger Küche bietet mit Klößen, mit gefüllten Teigtaschen - den sogenannten Jiaozi, mit Gemüse, Huhn und vielen Nudelvariationen eine bunte Vielfalt an leckeren Speisen. Das wohl berühmteste Gericht auf der Karte ist die Pekingente. Heute wird sie vor allem für die Laowai, die Ausländer angeboten. Auch mit besonders wichtigen Gästen geht man gerne Pekingente essen. Im Alltag hat sie ihre Bedeutung jedoch verloren. Sie repräsentiert nur noch ein Stück der Esskultur des längst vergangenen Lao Beijing, des Alten Pekings. Wer in Deutschland gerne Maultaschen isst, kann sich in Peking auf Jiaozi freuen. Die gefüllten Teigtaschen gibt es gekocht oder gebraten, in manchen Restaurants sogar bunt und gemustert. Die Füllungen variieren von verschiedensten Fleischsorten, über Meeresfrüchte, bis hin zu Nudeln und Gemüse. Frisch zubereitet, sind sie ein wahrer Gaumenschmaus, den man – wie die meisten Gerichte der chinesischen Küche – im Westen eher in durchschnittlicher Qualität bekommt.

So bunt und lecker können Jiaozi aussehen. Foto: Fen Fang


Wer sich im Winter warm halten will, muss nicht unbedingt Hund essen, sondern kann auf die Nudelsuppen zurückgreifen, die es in Peking in fast jeder Garküche zu kaufen gibt. Für ein paar Yuan, umgerechnet nicht mehr als etwa 1 Euro, kann man dort schon sehr gut und magenfüllend essen. Besonders zu empfehlen ist die Nudelsuppe mit Rindfleisch, die Niurou Lamian. Handgezogene Nudeln treffen auf getrocknetes Rindfleisch in Streifen oder Würfeln, verfeinert mit Koriander. Fertig ist das kulinarischen Highlight für wenig Geld. Die Tomate mit Rührei Nudeln – wenn auch gelegentlich etwas salzig - sind ebenfalls leicht zu bekommen und nicht nur an kalten Tagen ein zu empfehlender Sattmacher. Wer Gurke, eingelegt in Knoblauch, chinesischen Essig und Sojasauce ausprobiert, kann süchtig werden.

Kalte Gurken, eingelegt in chinesischen Essig mit Sojasauce sind ein wahrer Gaumenschmaus. Foto: Fen Fang


Wann bitte kommt das Dessert?

Was die Pekinger traditionell nicht kennen, ist die Zubereitung von süßen Nachspeisen und Desserts. Bestenfalls gibt es einen Teller mit Wassermelone, Orange oder anderen frischen Früchten. Schokolade oder Eiscreme kommt auf dem chinesischen Speiseplan nicht vor. Jedoch entdeckt man allmählich auch hier den Geschmack von süßem Gebäck, von Kuchen und Torten und von kleinen Naschereien. Wo früher noch die Sonnenblumenkerne verzehrt wurden, greift gerade der moderne Pekinger/die moderne Pekingerin von Welt gerne in die Vitrine einer der zahlreichen Bäckereiketten, die in der ganzen Stadt aus dem Boden sprießen und meist aus Korea oder Singapur kommen. Dass chinesische Torten selten einen Geschmack aufweisen, stört vielleicht den Ausländer, nicht aber den Chinesen. Torten sind schließlich eine Kunst fürs Auge und das isst ja bekanntlich mit. Je kitschiger, umso besser. Lebt man als Ausländer bereits länger in Peking, weiß man genau, welche Bäckerei zu empfehlen ist, weil die Schokolade wirklich nach Schokolade schmeckt, weil der heiße Kakao mit Milch und nicht mit Wasser zubereitet wird und weil der Keks nicht bereits vom Hinsehen vor Trockenheit in zwei Hälften zerfällt. Im Pekinger Stadtteil Chaoyang gibt es neben den internationalen diplomatischen Vertretungen viele leckere Bäckereien und viele Ausländer. Sie urteilen über die süßen Sachen, die Tianpin, bekanntlich kritisch und streng.


Der Nachtmarkt

Größere chinesische Städte haben oft einen Nachtmarkt, auf dem auch tagsüber schon allerlei kulinarische Kuriosiäten feilgeboten werden. Wer also mutig und experimentierfreudig ist, kann sich auf dem Pekinger Donghuamen Nachtmarkt an Made und Skorpion am Spieß versuchen. Wer exotische Meeresfrüchte probieren will, der hat die Wahl zwischen gegrilltem Seestern und Seepferdchen.
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